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Frankfurter Rundschau: Alles duftet

Der Dalai Lama ist ausverkauft. Seit Monaten schon ist der Kalender mit seinen Weisheiten für einen jeden Monat vergriffen. Da muss der Bedürftige zu anderen Mitteln greifen. Wenigstens wehen die bunten Gebetsfahnen aus Tibet noch an der Decke der esoterischen Buchhandlung Mandala in der Schillerpassage.

Eigentlich werden die Gebetsfahnen im Freien an Bergpässen und Gipfeln angebracht, lösen sich mit der Zeit im Wind auf. Anders als im Himalaja weht im Frankfurter Esoterikladen jedoch kein Windhauch, dafür liegen duftende Öle schwer in der Luft.

In den letzten Stunden des alten Jahres dreht sich in dem kleinen Laden sehr viel um Gerüche. Besonders beliebt seien derzeit Räucherstäbchen, Frauen fangen das Jahr gerne zeremoniell mit einem neuen Duft an, sagt Daniel Mars von Mandala. Die duftenden Stäbchen gibt es in allen Größen und Farben, dem neuen ökologischen Bewusstsein des Konsumenten angepasst auch von Fair Trade Herstellern und in Bio.

Besonders begehrt scheinen derzeit Räucherstäbchen der Sorte “Hotei”. Das bedeutet Gott des Glücks . Die einzige noch übrig gelassene Packung dieser Sorte verspricht einen einmaligen Duft mit Birke, Nelke und Harzen. Für Glück und gutes Gelingen. Eine Rolle mit 36 Stäbchen – Art. 101021. Wie oft trifft man schon einen Gott mit Artikelnummer?

Genauso beliebt seien aber Düfte namens “Herzensfreude” und “Flüsternder Wind”, die besinnliches Entspannen versprechen, sagt Daniel Mars.

Weniger gefragt ist offensichtlich der Duft der “Eleganz”, der als träumerisch und mild beschrieben wird, sowie auch der Duft des “Bambushains”, der schöne Erinnerungen und Gefühle wiederbeleben soll – es scheint als möchte man alte Erlebnisse und Melancholie doch lieber im alten Jahr lassen. Erstaunlicherweise ist auch der Duft der “Goldenen Blüte” der beim Abnehmen helfen soll weniger gefragt.

Dafür sind Glücksschweinchen aus Rosenquarz der Renner, erzählt Daniel Mars, auch persische Gedichte, erst auf Arabisch und dann in deutscher Übersetzung vorgetragen, seien derzeit sehr gefragt.

Für jeden etwas bieten zum Jahreswechsel auf jeden Fall die Gruß- und Wunschkarten, die vor dem Eingang stehen. “Alles was Spaß macht, ist teuer, riskant oder schadet der Umwelt” scheint über Altersgruppen hinwegzugreifen und “Wer seine Träume verwirklichen will, muss erst mal aufwachen” gilt auf jeden Fall auch im nächsten Jahr.

Originally published in the Frankfurter Rundschau, December, 2008

http://www.fr-online.de/rhein-main/mit-dem-gott-des-gluecks-ins-neue-jahr-alles-duftet,1472796,3385670.html

 

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This entry was posted on December 31, 2008 by in Uncategorized.

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In a crowded London shop
An open book and empty cup 

On the marble table-top.
While on the shop and street I gazed

My body of a sudden blazed;
And twenty minutes more or less It seemed, so great my happiness,

That I was blessed and could bless.

- Yeats

Always to shine,
to shine everywhere,
to the very deeps of the last days,
to shine—
and to hell with everything else!
That is my motto—
and the sun’s!

- Mayakovsky

Can it pull extraordinary faces?
Is it usually sick on a swing?
Does it spend all its time at the races,
or fiddling with pieces of string?
Has it views of its own about money?
Does it think patriotism enough?
Are its stories vulgar but funny?
O tell me the truth about love.

- WH Auden

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